Auch in der neuen Förderperiode will die LAG ihre Gebietskulisse beibehalten. Sie umfasst den Landkreis Passau mit seinen 38 Kommunen ohne die Stadt Passau. In der LAG mit der Landkreisfläche von 1.520,28 km² waren am Stichtag 31. Dezember 2022 insgesamt 193.454 Einwohner registriert. Das macht eine Dichte von 126 Einwohner pro km² Fläche. Zwischen 2005 und 2020 ist die Bevölkerung im Landkreis um 2,28 Prozent gewachsen, allerdings ist dies ausschließlich auf Zuzüge zurückzuführen. Mittlerweile sind 9 Prozent der Landkreisbewohner Menschen mit Migrationshintergrund.

Die Verfasserin der LES setzte sich intensiv mit dem Thema „Resilienz“ auseinander vor dem Hintergrund, dass Krisen unsere neue Normalität sein werden. Der flexible, lösungsorientierte Umgang damit dürfte das Erfolgsrezept einer Gesellschaft sein, in der ein gutes Leben auch in Zukunft möglich ist. Die Berücksichtigung von „Verwundbarkeiten“ und „Transformationspotentialen“ schärft den Blick für das Wesentliche. Die Auseinandersetzung mit dem Thema „Resilienz“ zieht sich als roter Faden durch das Konzept. In folgenden Feldern sieht die LAG gute Wirkungsmöglichkeiten für sich:

  1. Lebensraumschutz – Natur, Landschaft, Umwelt, Biodiversität
  2. Nachhaltige Strukturen und Vorgehensweisen in Land- und Forstwirtschaft sowie Ernährung
  3. Klimaschutz durch Energieeinsparung, Erneuerbare Energien und Ernährungsumstellung
  4. Sozialer Zusammenhalt und Teilhabe
  5. Daseinsvorsorge (Begegnungsorte, Gesundheit, Bildung, Ausbildung)
  6. Nachhaltiger Tourismus
  7. Kultur als identitätsstiftende Säule einer Gesellschaft

Die neue LES steht unter dem Motto „Passauer Land – (echt) gut zu leben!“ Der Fokus liegt auf den „natürlichen Reichtümern“ der Region. Es geht darum, zu schätzen, was da ist, und sich zu engagieren für das, was fehlt. Dabei liegt das Augenmerk auf den Querschnittsthemen Nachhaltigkeit, Chancengerechtigkeit, sozialer Zusammenhalt, lebenslanges Lernen, Fachkräfte- und Arbeitskräftesicherung sowie Digitalisierung.

Die LES zeichnet sich durch ihren sektorübergreifenden Ansatz aus. Die Zukunftsprobleme liegen zum einen in einer überalterten Bevölkerung und in dem enormen Anstieg der Zuzüge, v.a. durch junge Migranten und Familien ausländischer Herkünfte, die es zu integrieren und deren Wissen und Potentiale es zu nutzen gilt. Zum anderen liegt die Herausforderung darin, die Bürger*innen einer wohlstandsverwöhnten Industriegesellschaft zu deutlichen Verhaltensänderungen zu bewegen. Der verantwortungsvolle und wertschätzende Umgang mit den Ressourcen, der Aufbau von stimmigen Wertschöpfungsketten, Energie- und Rohstoffe sparen etc. werden dabei wichtige Weichenstellungen sein.

In der LES werden vier Entwicklungsziele genauer beschrieben, auf ihre jeweiligen Handlungsziele heruntergebrochen und mit geplanten Maßnahmen greifbar gemacht.

Entwicklungsziel 1: Klima-, Umwelt-, Lebensraum und Ressourcenschutz sowie Landnutzung zukunftsorientiert und verantwortungsbewusst umsetzen: Folgende Ideen werden derzeit intensiver diskutiert: die Anlage von Heckenstrukturen und Streuobstwiesen; die Intensivierung der Umwelt- und Nachhaltigkeitsbildung für alle Ziel- und Altersgruppen; die Kampagne „Genuss & Klima“; Maßnahmen zur Bewusstseinsbildung für den Wert und die Qualität der regional erzeugten Lebensmittel und Produkte; Aktionen für klimaangepasstes Bauen sowie Maßnahmen zur Vermehrung heimischer Wildpflanzen.

Entwicklungsziel 2: Die Lebensqualität fördern, den sozialen Zusammenhalt stärken: Die LAG-Mitglieder sehen hier den stärksten Bedarf und reservieren bei der prozentualen Aufteilung des verfügbaren LEADER-Budgets hierfür 35 Prozent. Geplant sind Aktionen zur Gesundheitsförderung ebenso wie das Schaffen von Begegnungsorten; das Einrichten und Unterstützen von Nachbarschaftshilfen und Ehrenamt; das Organisieren eines mobilen Bildungsbusses; der Aufbau eines oder mehrerer Sozialkaufhäuser; Angebote, um Senioren fit für den 3. Lebensabschnitt zu machen sowie der Ausbau digitaler Lern- und Sprachangebote für alle Altersgruppen. Auf Entwicklungsziel 2 liegt ein Schwerpunkt der neuen Förderperiode 2023-2027. 

Entwicklungsziel 3: Kultur als identitätsstiftende Säule der Gesellschaft sichern, Angebote und Akteure vernetzen, Besonderheiten hervorheben: Zum Erreichen dieses Ziels will die LAG 15 Prozent ihrer verfügbaren EU-Gelder einsetzen. Geplant sind Sommerschulen und Ferienprogramme, um die außerschulische Kreativität zu fördern; Aktionen, die den Wert der Demokratie vermitteln; Kulturangebote für Senioren und Menschen mit Handicap schaffen sowie Kultur-Routen für E-Bike-Radfahrer*innen und Angebote für Hochkultur bereits im Kindergarten“.

Entwicklungsziel 4: Die regionale Wertschöpfung fördern, nachhaltigen Tourismus und freizeitorientierte Infrastruktur stärken. Hierfür sind 25 Prozent des zu erwartenden Budgets reserviert. Als Ideen liegen vor: Maßnahmen zur Steigerung des Verständnisses für den Fortschritt in der Urproduktion (Land- und Forstwirtschaft) sowie für Wert regional erzeugter Lebensmittel; Fortbildungen für Privatwaldbesitzer zum fachgerechten Umbau der Wälder in Richtung Klimawandel-Anpassung; der Ausbau der Marke „Qualität aus dem Passauer Land“ bzw. „Genussland-Passauer Land“; die Gründung einer Bürger-Energie-Genossenschaft; eine Kampagne für zukunftsfähigen Lebensstil; der Auf- und Ausbau einer Handwerks-Werkstatt sowie anderer praxisnaher berufsorientierter Angebote, um Kinder und Jugendliche (und deren Eltern!) für Handwerks- und Zukunftsberufe zu interessieren. Im Gespräch ist auch die Entwicklung und Einführung eines Gütesiegels für gute Unternehmenskultur.

Nach der Prüfung und Anerkennung der LES durch das Ministerium im Spätherbst wird die LAG für die neue Förderperiode das LAG-Management EU-weit ausschreiben müssen. Bis dieses installiert ist, wird das bestehende LAG-Management gemeinsam mit Akteuren der Region einzelne Projekte jetzt schon aufgleisen, damit im Laufe des Jahres 2023, wenn die neue Förderperiode mit „frischem Geld“ startet gleich Projektanträge gestellt werden können. Wieviel Geld es seitens der EU für jede LAG gibt, ist allerdings zum jetzigen Zeitpunkt nicht bekannt.

Wer mehr über die Lokale Entwicklungsstrategie 2023-2027 der LAG wissen will, kann diese hier (Download) herunterladen.

 

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